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Vor dem Jahr 2000 war der Begriff Leitkultur
in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Kein einziges Lexikon hat
ihn bis dahin erwähnt. Auch heute existiert noch keine
allgemein akzeptierte oder gar verbindliche Definition.
1998 benannte Bassam Tibi in seinem Buch "Europa ohne
Identität?" einen säkularen Normen- und Wertekatalog, den
er sich als Basis einer europäischen Identität
vorstellte, als Leitkultur. Im April 2000 erschien dieses Buch als
erweiterte Taschenbuchausgabe. Am 10. Oktober 2000 sprach Friedrich
Merz, Fraktionsvorsitzender der CDU im Deutschen Bundestag, vor der
Presse beiläufig von einer "deutschen Leitkultur" und
löste damit zur Überraschung aller Beteiligten eine
ebenso lebhafte wie kontroverse Diskussion aus.
Zwei Monate lang haben Öffentlichkeit und Presse sich
intensiv mit der Sache beschäftigt. Seitdem ist der Begriff
"Leitkultur" eindeutig von den konservativen politischen
Kräften in Deutschland besetzt. Trotz gegenteiliger
Beteuerungen wird allerdings auch dort noch nach seinem Inhalt
gesucht.
Inzwischen hat das allgemeine Interesse etwas nachgelassen. Doch
der Begriff "Leitkultur" wird seinen Platz im deutschen
Sprachschatz einnehmen. Jede Diskussion, jeder Text kann von ihm
heimgesucht werden. Nicht nur in Deutschland, auch überall, wo
sonst noch deutsch verstanden und gelesen wird, kann plötzlich
die Frage auftauchen, was mit "Leitkultur" eigentlich gemeint
ist.
Die folgende Sammlung von Zitaten will eine Hilfe bei der
Beantwortung dieser Frage sein. Welchen Weg auch immer der Begriff
"Leitkultur" gehen wird, diese Texte dokumentieren in
vielfältiger Weise, wie die Leitkultur das Laufen lernte.
Info zum Herausgeber unter wolterswww.de. · Webmaster Torben Korte
Copyright © Thomas Wolters 2000 · In erster Version online am
24.12.2000
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